Thema: Unkontrollierte Finanzmärkte | Veröffentlicht: 25.08.2012 | Aktualisiert: 26.08.2012
Gewaltfreie Revolution

FINANZIALISIERUNG | WENN DAS KAPITAL REGIERT

Finanzialisierung ist ein relativ neuer Begriff. Er ist eine Übersetzung des englischen Financialization. In Deutschland wird in den Sozialwissenschaften in der Regel aber von einem Finanzmarkt-Kapitalismus oder auch Finanzkapitalismus gesprochen. Die Finanzialisierung bezeichnet einen neuen Typus von Kapitalismus, der den bisherigen Manager-Kapitalismus abgelöst hat.

In einer Finanzialisierung wird von den Finanzmärkten auf quasi künstliche Weise Kapital erschaffen. Ohne mit realwirtschaftlichen Produktionsprozessen verbunden zu sein, entsteht Reichtum durch unproduktive Arbeit (in der klassischen Nationalökonomie unterscheidet man zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit).

Der Finanzmarkt-Kapitalismus führt zu einer immer größeren Anhäufung von Kapital in der Finanzindustrie, während Wirtschaften, Staaten und Privatpersonen völlig ausbluten. Für alle inzwischen deutlich sichtbar übernehmen damit Banken, Investoren, Hedgefonds und Grosskonzerne die Macht.

In seinem Buch von 2006, American Theocracy: The Peril and Politics of Radical Religion, Oil, and Borrowed Money in the 21st Century präsentiert der amerikanische Schriftsteller und Kommentator Kevin Phillips Financialisation als: “Prozess, wodurch Finanzdienstleistungen die dominierende wirtschaftliche, kulturelle und politische Rolle in einer Volkswirtschaft übernehmen”.

Phillips schreibt weiter:“ ... die führenden Wirtschaftsmächte sind einer evolutionären Entwicklung gefolgt: Erstens Landwirtschaft, Fischerei und dergleichen, als nächstes Handel und Industrie (Manager-Kapitalismus) und schließlich Finanzen (Finanzmarkt-Kapitalismus). Mehrere Historiker haben diesen Punkt sorgfältig ausgeführt”.

Die neoklassizistische Theorie einer zügellosen Ökonomie hat zu völlig unkontrollierten Finanzmärkten geführt und damit ihren Beitrag zur Finanzialisierung geleistet. Das wird sehr deutlich an zwei Zahlen: Die liberalisierten Finanzmärkte agieren mit einem Kapital von zurzeit etwa 700 Billionen Dollar. Dagegen beträgt das Weltbruttoinlandsprodukt, also der Wert aller Endprodukte und Dienstleistungen der ganzen Welt im Jahr 2011 ganze 79 Billionen Dollar.

Jetzt mal Klartext:

Mit der Finanzialisierung kommt der Kapitalismus in seine exzessive Phase. Er reißt immer mehr Macht an sich und Menschen, Natur und Gerechtigkeit werden seine Opfer. Es entsteht eine skrupellose Finanzdiktatur in der es nur noch um Profit geht, also um die maximale Ausbeutung von menschlicher Arbeitskraft und natürlicher Ressourcen. Der Finanzmarkt-Kapitalismus zeigt uns, dass der Kapitalismus in seiner reinen Form genauso scheitern muss, wie der Sozialismus.

Wenn man weis, dass siebenhundert Billionen Dollar in Form von Derivaten um die Welt geistern, die keinerlei realen Nutzen haben und für die unser aller Werte über den Jordan gehen werden, dann kann man vielleicht verstehen, warum diese Seite “Wir brauchen eine Revolution” heisst. Eine furchterregende Vorstellung, dass Utopien wie “Schöne neue Welt” von Aldous Huxley und “1984” von George Orwell, in dieser Form des Kapitalismus, Realität werden können. Die Wahrheit ist, wir befinden uns bereits auf dem besten Weg dahin. Es wird Zeit dies zu erkennen und etwas dagegen zu tun.

“Gestern standen wir noch kurz vor dem Abgrund. Heute, und das sollte man deutlich betonen, sind wir schon einen wesentlichen Schritt weiter.”
Unbekannt


Mehr dazu: Und die Kuh sagt Muh dazu | Wie Finanzmarkt-Kapitalismus funktioniert

Hier noch interessante Links ergänzend zum Thema:

Wikipedia deutsch:
Finanzialisierung Finanzmarkt-Kapitalismus

Wikipedia englisch:
Finanzialisierung Wikipedia Financialization

Saarbrücker Homepage:
saarbruecker-homepage Das Kamikaze-System

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