Thema: Nahrungsmittelspekulation | Veröffentlicht: 21.08.2012 | Aktualisiert: 23.08.2012

DIE ÄRMSTEN HUNGERN WIEDER | WIEVIEL LEBEN WIRD ES DIESMAL KOSTEN?

Kinder leiden am meisten unter einer Hungersnot In den Mainstreammedien ist in diesem Sommer zu lesen: “Die momentane Dürre in den USA ist die schwerste seit 1956. Die Mißernten in diesem Jahr lassen deshalb die Preise von Lebensmitteln steigen.”

Doch das ist bei Grundnahrungsmitteln nur die halbe Wahrheit. Die extremen Preisanstiege lassen sich nicht durch schlechte Ernten alleine erklären.

Sie kommen vor allem durch die immer weiter ausufernden Spekulationen in Form von Futures (börslich) und Forwards (ausserbörslich) auf den Terminmärkten zustande. Der kurze Film (7:31m) am Ende des Artikels erklärt das sehr gut.

Dadurch, dass Agrarrohstoffe wie beispielsweise Getreide, Mastrind, Milch und Orangensaft an den Rohstoffbörsen der Welt gehandelt werden, wie jeder andere Rohstoff auch, sind sie skrupellosen Spekulanten völlig ausgeliefert. Die Preise für Grundnahrungsmittel werden durch die Wetten mit diesen Futures und Forwards gewaltig gehebelt. Das funktioniert um so besser, wenn, wie in diesem Jahr, zusätzlich ein wirklicher Mangel besteht. Den Zockern an den Rohstoffbörsen ist es dabei völlig egal, dass ihre Spekulationen immer wieder viele Menschen das Leben kostet.

Unter den größten Spekulanten findet man die üblichen Verdächtigen wie Goldman Sachs, Allianz oder die Deutsche Bank. In ihrer grenzenlosen Gier nach Renditen lässt die unersättliche Finanzmafia im Agrarrohstoffcasino ihre Masken fallen und zeigt ganz offen ihre häßliche Fratze. Zu verführerisch ist für diese Bankster diese Art der Spekulation, sie ist nicht besonders schwer zu händeln, einfach zu manipulieren und die Gewinne sind oft astronomisch.

Die Wetten auf Nahrungsmittel sind einer der schlimmsten Auswüchse in unserer heutigen Finanzwelt. Sieht man die Hungernden, vor allem die Kinder, stellt sich einem die Frage, ob man die Verantwortlichen nicht als Massenmörder anzeigen und vor den Internationaler Gerichtshof in Den Haag stellen sollte.

Aber es geschehen doch noch kleine Wunder: Finanzinstitude wie die Commerzbank, die Österreichischen Volksbanken und die Raiffeisen Centrobank haben sich von diesen üblen Geschäften inzwischen verabschiedet und in den USA versucht man nun wenigstens den ausserbörslichen Handel (Forwards) zu unterbinden.

Der Preis für Weizen hat sich seit Juni fast verdoppelt. Mehl und Brot, sowie alle anderen Produkte aus Weizen sind, oder werden bald, sehr viel teurer. In unseren Breiten mag das ja vielleicht noch ertragbar sein, dann trinkt man eben mal ein Weizenbier weniger. Aber was eine Verdopplung der Mehl- und Brotpreise für viele der Ärmsten in der Welt bedeutet ist klar, es wird eine große Hungersnot ausbrechen, viele werden wieder einmal verhungern.

Weizenchart Auf der Rohstoffseite von Godmode Trader kann man die Kurse von Agrarrohstoffen (Soft-Commodities) wie Weizen, Mais, Mageres Schwein, Kaffee, Lebendrind, usw. verfolgen.

Schon jetzt leiden die armen Länder Afrikas unter den teuren Grundnahrungsmitteln. “Die Situation ist mittlerweile besorgniserregend”, sagte ein UN-Experte gegenüber der Agentur Bloomberg. Lassen wir uns nicht von Meldungen wie: “Die Dürre in der Sahelzone löst große Hungersnot aus”, hinters Licht führen. Die allermeisten Menschen in Afrika kaufen inzwischen ihre Nahrungsmittel genau wie wir im Laden oder auf dem Markt. Für die Ärmsten in der Welt, die sowieso schon mindestens 80% ihres Etats für Nahrungsmittel ausgeben müssen, kann schon der kleinste Preisanstieg tödlich sein.

Die Menschheit wurde schon immer von Naturkatastrophen heimgesucht, damit muss man Leben. Aber eine wirkliche schlimme und von Menschenhand gemachte Katastrophe ist unser Umgang mit Lebensmitteln. Dazu gehören vor allem diese Spekulationen mit Nahrungsmitteln. Dazu gehört aber auch, dass die USA inzwischen 50% ihrer Maisernte für Biosprit verwendet, oder das wir die Hälfte unserer Gurken auf den Feldern verrotten lassen, weil sie nicht gerade genug sind. Und das sind nur zwei Beispiele von vielen.

Jetzt mal Klartext:

Wieviel Dekadenz kann und will sich unsere Gesellschaft noch erlauben? Um welchen Preis wollen wir unsere grenzenlose Gier weiter befriedigen? Wie viele Menschen müssen noch ihr Leben lassen, damit die großen Wirtschaftsnationen noch reicher werden?

Und euch Zockern rufe ich zu: “Finger weg von unseren Nahrungsmitteln, ihr habgierigen und skrupellosen Ungeheuer. Habt ihr herzlosen Monster denn nicht mehr das kleinste bisschen Humanität in euch?”


Hier noch ein interessanter Film und Links ergänzend zum Thema:

Nahrungsmittelspekulation

7:31m | Deutsch | Quelle: YouTube



World Economy, Ecology and Development:
World Economy, Ecology and Development Weed

Alles über Lebensmittel:
Alles über Lebensmittel Foodwatch

nach oben

Startseite | About | Kontakt | Sitemap | Disclaimer | Impressum


Trennlinie
Trennlinie
Wir brauchen eine Revolution